Ihren Ruf als erfolgreiche Turniermannschaft konnte die Schachauswahl der Bundeswehr bei der kürzlich zu Ende gegangenen NATO-Schachmeisterschaft in Lettland wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen. In einem hochkarätig besetzten und hart umkämpften Feld musste sich das deutsche Team lediglich dem Turnierfavoriten aus der Türkei geschlagen geben und sicherte sich den zweiten Platz vor dem schwedischen Team und den lettischen Gastgebern. Für zwei weitere Podestplatzierungen sorgte FIDE-Meister Robert Stein, Regierungsoberinspektor aus dem BAIUDBw in Bonn, in den Einzelwettbewerben.
136 Akteure aus 18 NATO-Nationen sorgen für spannende Wettkämpfe
Vom 11. bis zum 17. Oktober 2026 fand im lettischen Jūrmala zum 36. Mal die traditionsreiche NATO-Schachmeisterschaft statt. Der Austragungsort blickt selbst auf eine bemerkenswerte Schachgeschichte zurück. Bereits 1937 und 1939 wurden im heutigen Stadtteil Ķemeri internationale Schachturniere ausgetragen. Fast 90 Jahre später knüpfte Jūrmala mit der NATO-Schachmeisterschaft erneut an diese Tradition an und bot insgesamt 136 Spielerinnen und Spielern aus 18 NATO-Nationen eine Bühne für den internationalen sportlichen Wettkampf.
Sieben Runden bis zur Entscheidung
Das Turnier wurde traditionell über sieben Runden im Schweizer System als Einzelturnier mit paralleler Mannschaftswertung ausgetragen. Für die Mannschaftswertung wurden jeweils die vier besten Einzelergebnisse einer Nation berücksichtigt. Auf diese Weise flossen sowohl die individuellen Leistungen als auch das geschlossene Auftreten der nationalen Mannschaften in die Gesamtwertung ein.
Türkei an der Spitze, Bundeswehr-Auswahl sichert sich Silber
Als Favorit ging die Mannschaft aus der Türkei in das Turnier und konnte diesen Status im Verlauf der sieben Runden eindrucksvoll bestätigen. Mit insgesamt 23,5 Punkten sicherte sich das türkische Team souverän den ersten Platz. Auch die Auswahl der Bundeswehr zeigte eine geschlossene Mannschaftsleistung und erreichte mit 20 Punkten einen hervorragenden zweiten Platz.
Spannend bis zum Schluss blieb der Kampf um den dritten Podestplatz. Sowohl Schweden als auch Gastgeber Lettland kamen auf jeweils 19 Punkte. Dank der besseren Feinwertung setzte sich die schwedische Mannschaft durch und komplettierte das Podium. Das lettische Team musste sich damit mit dem vierten Platz zufriedengeben.
| Rang | Nation | Punkte |
| 1 | Türkei | 23.5 |
| 2 | Deutschland | 20 |
| 3 | Schweden | 19 |
| 4 | Lettland | 19 |
| 5 | Niederlande | 18 |

Türkischer Großmeister gewinnt Einzelwertung, FM Robert Stein auf dem dritten Platz
Auch in der Einzelwertung dominierte die Türkei das Teilnehmerfeld. Der an Nummer eins gesetzte Großmeister Vahap Şanal wurde seiner Favoritenrolle gerecht und gewann alle sieben Partien. Mit sieben Punkten sicherte er sich damit souverän den Turniersieg.
Den zweiten Platz belegte die slowenische Internationale Meisterin Laura Unuk mit sechs Punkten. Zugleich wurde sie als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Dahinter entwickelte sich ein enger Wettbewerb um die weiteren Podestplätze. Gleich sechs Spieler erreichten jeweils 5,5 Punkte. Unter ihnen befand sich auch der deutsche FIDE-Meister Robert Stein. Dank der besseren Buchholzwertung konnte er sich gegen die Konkurrenz durchsetzen und sicherte sich damit den dritten Platz und die Bronzemedaille.
Mit FM Mark Helbig schaffte es ein weiterer deutscher Spieler mit fünf Punkten unter die Top-10 des Turniers.
| Rang | Name | Nation | Punkte |
| 1 | GM Şanal, Vahap | Türkei | 6.5 |
| 2 | IM Unuk, Laura | Slowenien | 6.0 |
| 3 | FM Stein, Robert | Deutschland | 5.5 |
| 4 | IM van Oosterom, Chiel | Niederlande | 5.5 |
| 5 | CM Gulden, Egemen | Türkei | 5.5 |
| 6 | CM Bacak, Muhammed Kaan | Türkei | 5.5 |
| 7 | FM Kılıç, Efe Mert | Türkei | 5.0 |
| 8 | WGM Reizniece, Dana | Litauen | 5.0 |
| 9 | FM Helbig, Mark | Deutschland | 5.0 |
| 10 | FM Norberg, Johan | Schweden | 5.0 |
Robert Stein im Blitzschach nur knapp am Sieg vorbei
Traditionell wurde im Rahmen der NATO-Schachmeisterschaft auch ein Blitzturnier ausgetragen. Anders als im klassischen Einzelwettbewerb standen den Teilnehmenden dabei deutlich kürzere Bedenkzeiten von drei Minuten zuzüglich zwei Sekunden pro Zug zur Verfügung. Das Turnier wurde über neun Runden gespielt.
In einem engen Rennen um den Turniersieg erreichte der niederländische Internationale Meister Mark Timmermans mit 7,5 Punkten den ersten Platz. Dank der besseren Wertung setzte er sich gegen den deutschen FIDE-Meister Robert Stein und den türkischen FIDE-Meister Efe Mert Kılıç durch, die ebenfalls jeweils 7,5 Punkte erzielten. Für Robert Stein bedeutete dies eine weitere hervorragende Podestplatzierung und den zweiten Platz im Blitzturnier.


Die Platzierungen der deutschen Spieler in der Übersicht
| Dienststelle | Punkte | |
| FM Robert Stein (Regierungsoberinspektor) | BAIUDBw | 5,5 (3. Platz) |
| FM Mark Helbig (Oberstabsfeldwebel) | BAPersBw | 5,0 (9. Platz) |
| Bennett Schnabel (Oberleutnant zur See) | MTS | 5,0 (16. Platz) |
| Ulrich Bohn | ZCSBw – DEUmilSAA | 4,5 (22. Platz) |
| Hans-Christoph Andersen (Technischer Regierungsdirektor) | BAPersBw | 4,5 (23. Platz) |
| Tobias Jacob (Technischer Regierungsamtsrat) | BAAINBw | 4,5 (25. Platz) |
| Wilhelm Jauk (Stabsunteroffizier) | ABCAbwRgt 1 | 4,5 (27. Platz |
| Christian Marquardt (Technischer Regierungsdirektor) | BAAINBw | 4,5 (31. Platz) |
| Marko Sauer (Oberstabsfeldwebel a.D.) | LTM / Veteran | 3,5 (83. Platz) |
| Guido Schott (Oberstleutnant a.D.) | LTM / Veteran | 3,0 (85. Platz) |

Gala-Dinner setzt festlichen Höhepunkt
Den feierlichen Abschluss der 36. NATO-Schachmeisterschaft bildete ein Gala-Dinner, in dessen Rahmen auch die Siegerehrungen stattfanden. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Brigadier General Aivars Krjukovs. Für die musikalische Begleitung sorgte das National Guard Orchestra. Das Dance Ensemble der lettischen Nationalgarde bereicherte den Abend zudem mit eindrucksvollen Tanzvorführungen.
Neben den sportlichen Erfolgen wurde auch die Best Veteran Trophy verliehen. Diese Auszeichnung ging an den britischen Teilnehmer David E. Onley.

Eine besondere Würdigung galt dem mit 93 Jahren ältesten Teilnehmer, dem niederländischen General a. D. Hendrik Steffers. In einer persönlichen Ansprache blickte er auf seine langjährige Teilnahme an der NATO-Schachmeisterschaft zurück und hob insbesondere die internationalen Freundschaften und die besondere Atmosphäre des Turniers hervor. Seine Worte machten deutlich, welchen Stellenwert die Meisterschaft weit über den sportlichen Wettbewerb hinaus besitzt.
Offiziell beendet wurde die 36. NATO-Schachmeisterschaft durch den Präsidenten des International Military Chess Committee, Colonel Sławomir Kędzierski. Doch auch nach dem offiziellen Teil war der Schachabend noch lange nicht vorbei. Bei Kuchen und in geselliger Runde wurden bis tief in die Nacht weitere Partien gespielt. Damit fand eine erfolgreiche Meisterschaft einen würdigen und zugleich kameradschaftlichen Ausklang.


Vorschau: Die nächste NATO-Schachmeisterschaft wird 2027 in La Spezia, Italien ausgetragen.
Weitere Informationen sowie Bilder und Impressionen zur 36. NATO-Schachmeisterschaft können über den folgenden Link abgerufen werden: https://www.natochess.com/.
Die Partien sind zu finden unter:
https://live.chessbase.com/de/watch/36th-nato-chess-championship-2026
Ein besonderer Dank gilt den Organisatoren in Lettland für die gelungene Durchführung der Meisterschaft sowie allen Beteiligten, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.
Der Dank des deutschen Teams gilt ebenfalls der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e. V. (KAS), die die Mannschaft erneut tatkräftig bei der Organisation und Logistik unterstützt hat.
Text: Bennett Schnabel (redaktionelle Bearbeitung durch KAS | Felix Schneider)
Fotos: © dainis.aleksans, Jan Cheung, Conny Schilling, Ulrich Bohn
