Mit einem improvisierten Klubhaus in Andernach, der Wiege der Bundeswehr, nimmt im Jahr 1956 erstmals eine Idee Gestalt an, welche die Betreuungsarbeit für Bundeswehrangehörige und ihre Familien bis heute maßgeblich prägt. Unter dem Dach der katholischen Kirche leistet die KAS in freier Trägerschaft seitdem wertvolle Unterstützung mit innovativen und bedarfsgerechten Betreuungsangeboten. Ein wegweisendes Erfolgsmodell, das viele Gesichter trägt. In einem langen und historisch bewegten Zeitraum ist es der KAS immer wieder gelungen, sich neu zu erfinden, den Wandel in der Bundeswehr aktiv zu begleiten und Entwicklungen in der Betreuungsarbeit voranzutreiben.
Von der bewegten Geschichte und ihrem aktuellen Auftrag konnten sich zahlreiche Gäste aus Militärseelsorge, Politik und Bundeswehr am 17. September beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen der KAS in Berlin-Marienfelde ein genaues Bild machen. In der besonderen Verknüpfung von Geschichte und Gegenwart bot das neugestaltete Ensemble des ehemaligen Klosters der „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“, in dem die Geschäftsstelle der KAS und Teile des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin beheimatet sind, eine überaus würdevolle Kulisse.
Mit einem Pontifikalamt, das der Katholische Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck zelebrierte, fand das Jubiläum seinen festlichen Höhepunkt. In seiner Predigt und seinen anschließenden Grußworten richtete Overbeck den Blick auf eine wichtige Kontinuität im Dienst der KAS. Die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung schaffe mit „Oasen der Menschlichkeit“ spezielle Orte des „Aufatmens“, der Solidarität und des Miteinanders. Gerade mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen der Bundeswehr und die neuen Formen der Landes- und Bündnisverteidigung komme solchen Orten eine wachsende Bedeutung zu, so Overbeck.
Seine Würdigung der vielen Menschen, die den Auftrag der KAS seit 70 Jahren mit Leben füllen, verknüpfte er daher zugleich mit seinem persönlichen Dank für das große Engagement beim gemeinsamen Aufbau des Hauses der Begegnung in Vilnius. Gerade dort werde sichtbar, wie sich dieser Auftrag unter veränderten Bedingungen neu mit Leben füllen lasse: Mit dem Gemeindezentrum der Katholischen Militärseelsorge im Zentrum der litauischen Hauptstadt sei es gelungen, „unter ganz neuen politischen und militärischen Herausforderungen […] schnell eine neue Oase“ zu gründen. Seit diesem Sommer werden dort Seelsorge-, Begleit- und Betreuungsangebote für die Angehörigen der Brigade Litauen und ihre Familien gebündelt. Ganz in diesem Sinne wünschte Overbeck der KAS einen „tiefen Spürsinn für den erneuerten Auftrag“, auch künftig solche Oasen zu bilden, um den Menschen durch Menschlichkeit nahe zu sein.
Sieben Jahrzehnte gelebte Verantwortung
Auch die Vorsitzende der KAS, Gisela Manderla, rückte in ihrer Festrede die Menschen in den Mittelpunkt der langjährigen Betreuungsarbeit. So sei die Geschichte der KAS vor allem eine Geschichte des Engagements vieler Menschen. Mit ihren Ideen, ihrer Kraft, ihrer Professionalität und ihrem Herzblut hätten sie der Soldatenbetreuung in sieben Jahrzehnten ein konkretes Gesicht gegeben. Dabei ging es in ihrem vielfältigen Wirken von Beginn an um „die menschliche Dimension des Dienstes, um Gemeinschaft, Freizeitgestaltung und die Verbindung zwischen Soldaten, Kirche und Gesellschaft“, so Manderla.
Die Anforderungen an die Betreuung von Bundeswehrangehörigen und ihren Familien hätten sich in 70 Jahren stetig gewandelt. Der ursprüngliche Auftrag habe jedoch nichts an Aktualität eingebüßt: „Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und Räume zu schaffen, in denen Gemeinschaft, Orientierung und Unterstützung möglich werden“, verdeutlichte die KAS-Vorsitzende.
Damit verbunden stellte Manderla den besonderen Wert der Zusammenarbeit in der Betreuung heraus: „Die Soldatenbetreuung in Deutschland lebt von einem starken Netzwerk engagierter Partner. Die vergangenen 70 Jahre haben gezeigt, dass Soldatenbetreuung dort besonders erfolgreich ist, wo Erfahrungen geteilt, Kräfte gebündelt und Verantwortung gemeinsam übernommen wird.“
Auch der frühere Verteidigungsminister und Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung, Dr. Franz Josef Jung, verwies in seinem Grußwort auf die besondere Fähigkeit der KAS, Menschen und Organisationen zusammenzubringen. So habe der Verein die Soldatenbetreuung stets als Gemeinschaftsaufgabe verstanden, Netzwerke aufgebaut, Kooperationen gefördert und Brücken zwischen Bundeswehr, Kirchen, Verbänden und der Gesellschaft geschlagen.
Zugleich schlug Jung mit Blick auf die veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen eine Brücke zur Predigt des Militärbischofs: „Betreuung ist kein Randthema und kein zusätzlicher Service. Betreuung bedeutet Wertschätzung. Betreuung bedeutet Fürsorge. Betreuung bedeutet, Menschen zu zeigen, dass sie mit ihren Sorgen, Fragen und Belastungen nicht allein sind. Diese Aufgabe gewinnt gegenwärtig noch stärker an Bedeutung.“ In diesem Zusammenhang sei die KAS ein starker und verlässlicher Partner und als wesentliche inhaltliche Impulsgeberin eine prägende Kraft innerhalb der freien Soldatenbetreuung, bekräftigte Jung.
„Wir feiern heute nicht nur die Vergangenheit. Wir feiern eine lebendige Gemeinschaft und einen Auftrag, der auch nach 70 Jahren aktuell bleibt.“ – Gisela Manderla, Vorsitzende der KAS
Im Anschluss lud der festlich geschmückte Innenhof zu Begegnung und Austausch ein und bot zugleich Gelegenheit, in die Geschichte der KAS einzutauchen. Für einen würdigen musikalischen Rahmen und eine stimmungsvolle Atmosphäre während der gemeinsamen Abendstunden sorgte die Combo des Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg mit ihrem abwechslungsreichen Repertoire.
Begleiten. Unterstützen. Stärken. Bei zahlreichen Gesprächen, gemeinsamen Erinnerungen und persönlichen Begegnungen wurde spürbar, wofür die Arbeit der KAS seit sieben Jahrzehnten steht: Menschen zusammenzubringen, Gemeinschaft zu fördern und stets aufs Neue Orte zu schaffen, an denen Menschlichkeit in praktischer Nächstenliebe erfahrbar wird.
Titelbild: © KS / Doreen Bierdel
Bilder 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9, 11, 12, 15, 19: © KS / Doreen Bierdel
Bilder 1, 8, 10, 13, 14, 16, 17, 18, 20-25: © KAS / Daniel Dodt

























